Ausgabe Winter 2014 "Körper und Seele"

Den Träumen überlassen

Regeln für den guten Schlaf

Im Schlaf sind wir abwesend. Doch obwohl wir nicht bewusst verfolgen können, was geschieht, sind wir keineswegs inaktiv. Wir drehen uns und wenden uns in der Nacht mehrere Dutzend Mal. Manche sprechen, andere schnarchen. Den meisten bietet der Schlaf Regeneration von Körper und Seele, doch nicht jedem ist eine solche Erholung vergönnt. Beschwerden wie ein Schlafapnoe oder ein Restless-Legs-Syndrom können die Ruhephase zur Tortur werden lassen.

Den Träumen überlassen: Regeln für den guten Schlaf

Das Gehirn werde im Schlaf nicht wirklich runtergefahren, erklärt Dr. Kathrin Kalkhake, die Patienten im Schlaflabor am St. Marien-Hospital betreut. Unser zentrales Denkorgan bleibt die ganze Zeit aktiv, auch wenn es über Nacht das Bewusstsein abschaltet. Es beschert uns nicht nur Träume, sondern erhält darüber hinaus den Stoffwechsel aufrecht, kann Bewegungen steuern und überwacht die Lebensfunktionen.

Der Schlaf- und Wach-Rhythmus wird durch Hormone gesteuert. Er variiert von Mensch zu Mensch, was zu unterscheidbaren Schlaftypen führt: den Eulen, die spät ins Bett gehen und morgens nicht rauskommen, und den Lerchen, die morgens ganz früh aktiv werden, dafür abends aber nicht lange durchhalten. Schlafentzug unterbricht den natürlichen Aktivitäts- und Ruhezyklus und kann gravierende Regulationsstörungen auslösen, die sich unter anderem auf den Blutdruck und die Herzfrequenz auswirken. Es dauert nicht lange und man fühlt sich matt und abgeschlagen.

Wegen der individuellen Unterschiede können keine pauschalen Regeln für einen guten Schlaf angegeben werden. Die meisten Menschen benötigen jedoch zwischen sieben bis acht Stunden Nachtruhe. Im Einzelfall können es auch zwei, drei Stunden mehr oder weniger sein. Gut ausgeruht ist, wer sich ein regelmäßiges Schlafverhalten angewöhnt, vor dem Zubettgehen auf Kaffee und Rauchen verzichtet und seinen Körper vor dem Schlafen weder durch sportliche Aktivität noch durch späte Mahlzeiten belastet. Wiederkehrende Handlungsabläufe sind ein probates Mittel zum Abschalten vor dem Einschlafen.

Diagnose im Schlaflabor

Maxi, das Maskottchen der Stadt Hamm, hat sich wegen akuter Schlafstörungen mal richtig durchchecken lassen

Schlafstörungen können krank machen. Aber auch körperliche und psychische Krankheiten können Schlafstörungen bewirken. Wer sich über einen längeren Zeitraum fortwährend abgeschlagen und matt fühlt, keine Ruhe findet und nachts immer wieder aufwacht, der sollte das nicht auf die leichte Schulter nehmen, meint die Schlafexpertin. „Erster Ansprechpartner ist der Hausarzt, der bei unklaren Befunden weitere Maßnahmen veranlasst.“

In aller Regel sind bei den Patienten von Dr. Kalkhake bereits Atemaussetzer, unregelmäßige Sauerstoffsättigung im Blut sowie Probleme beim Durchschlafen festgestellt worden. Im Schlaflabor verbringen die Betroffenen eine ganze Nacht, in der sie beobachtet werden, um herauszufinden, woran sie genau leiden.

Das Schnarchen ist übrigens per se keine Erkrankung. „Viele Leute schnarchen und haben überhaupt kein Problem damit“, sagt die junge Ärztin. „Wenn der Partner sich beschwert, gibt es Möglichkeiten zum Beispiel mit einer Schnarchschiene oder durch einen kleinen HNO-ärztlichen Eingriff bei Veränderungen an der Nasenscheidewand oder Vergrößerung der Rachenpolypen Abhilfe zu schaffen.“

Schlafapnoe-Syndrom

Ins Schlaflabor kommen die Leute meistens, weil sie unter einem Schlafapnoe-Syndrom leiden oder der Verdacht darauf besteht. In schweren Fällen werden die betroffenen Menschen ständig aus dem Schlaf ge­rissen, weil sie aufgrund von Atemaussetzern in einen Sauerstoffmangelzustand geraten. Ihnen wird mit einer Maskentherapie geholfen. Dazu erhalten sie handliche Geräte, die die Atmung unterstützen und so ein Durchschlafen ermöglichen. Die Ursachen für ein Schlafapnoe-Syndrom können Erkrankungen der Lunge oder des Herzens sein, aber oftmals auch starkes Übergewicht.

Andere Leute kommen ins Schlaflabor, um auszuschließen, dass eine nicht erkannte organische Krankheit für die Schlafstörungen verantwortlich ist. Das können beispielsweise neurologische Störungen wie eine Bewegungsunruhe der Beine (Restless-Legs-Syndrom) sein. Bestimmte Medikamente können ebenfalls einen erholsamen Schlaf verhindern. Psychische Erkrankungen wie Depressionen gehen häufig auch mit Schlafstörungen einher, so dass es manchmal wichtig ist, abzuklären, ob zusätzlich zur Depression eine organische Erkrankung die Schlafqualität beeinflusst.

Schlafapnoe: Herzpatienten leiden besonders

Nur etwas weniger als ein Drittel der in deutschen Rehabilitations-Einrichtungen untersuchten Herzpatienten haben einen von Schlafapnoe völlig unbeeinträchtigten Schlaf, 35 Prozent leiden unter einer leichten Form der nächtlichen Atemaussetzer (fünf bis 14 Apnoe-Episoden pro Stunde), und weitere 33 Prozent weisen eine mittel- bis schwergradige (mehr als 15 Apnoe-Episoden pro Stunde) Atemstörung im Schlaf auf. Das zeigen Daten aus dem Reha-Sleep-Register der Deutschen Gesellschaft für Rehabilitation und Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) 2013 in Mannheim präsentiert wurden.

Weiterführende Informationen

Web-Seite des Schlaflabors

Schlaflabor am St. Marien-Hospital