Ausgabe Herbst 2016 "Schmerz lass nach"

Kurz und schön

Kleine Tipps für den Alltag

Ohne Worte - fast, Festival als Lebenseinstellung, Unsere neuen Nachbarn, Eine Million Geheimnisse, Gute-Laune-Songs nach Maß

Ohne Worte - fast

Ohne Worte - fast

Sechs Wörter. Manchmal reichen sechs Wörter, um alles auszudrücken, was nicht ausgedrückt werden kann. Erzählungen nach hat der amerikanische Nobelpreisträger Ernest Hemingway befreundete Schriftsteller zu einer Wette aufgefordert: Er wettete, dass er eine ganze Geschichte in nur sechs Wörtern schreiben könnte. Er schreibt sechs Wörter auf eine Serviette, reicht sie herum und sammelt seine Gewinne ein. Auf der Serviette war zu lesen: For sale: baby shoes, never worn. (auf deutsch: Zu verkaufen: Kinderschuhe, niemals getragen) Eine ganze (Lebens-)Geschichte, so stark auf das Wesentliche reduziert, dass die wenigen Begriffe reichen, den ganzen Schmerz darin spürbar zu machen. Ob es wirklich so gewesen ist und Hemingway diesen “Kurzroman” verfasst hat, ändert nichts an der entscheidenden Feststellung: Literatur braucht nicht viele Wörter. Sie braucht die richtigen. Das ist die Kunst daran.

Festival als Lebenseinstellung

Festival als Lebenseinstellung

Schlafsack, Zelt, Gummistiefel, Zusatzakku für das Smartphone und ein Grill gehören zur Standardausrüstung erfahrener Festivalgänger. Zu Zehntausenden pilgern Musikfans durch das Land und feiern das gemeinsame Musikerlebnis oder einfach nur das Leben. Für eine kurze Zeit steht die Gemeinschaft im Vordergrund, das gemeinsame Warten vor den Duschen oder in den Schlangen am Getränkestand. Das Wandern von einer Bühne zur anderen, von einem Act zu nächsten. Weißt du noch, damals, als wir uns von den Zeltnachbarn alles leihen mussten? Oder als es so stark geregnet hat, dass alle Autos auf dem Parkplatz eingesunken waren und sich alle gegenseitig geholfen haben? Als wir alle erlebt haben, wie Bühnen, Augen, Herzen in Flammen aufgegangen sind? Ein Festival ist nicht nur ein Erlebnis, es ist eine geteilte Portion Glück.

Unsere neuen Nachbarn

Unsere neuen Nachbarn

Vielfalt entsteht, wenn sich unterschiedliche Kulturen miteinander austauschen. Kultur ist nicht abstrakt, sie ist verwurzelt in den Menschen, die sie leben. Kultur lebt in persönlichen Geschichten. Das Non-Profit-Projekt HOME STORIES macht die Menschen und ihre Lebenswege sichtbar. Nicht selten sind diese Lebenswege geprägt von Verfolgung, großem Leid, Flucht. Doch auch von großem Engagement, von Hoffnung, von Ankommen, ein Zuhause finden. Neue Würde finden. Die vielen gesammelten Geschichten und Portraits machen die Leben der Anderen konkret und zeigen: Im Kern sind wir alle Menschen. Wir haben dieselben Sorgen, wir alle wollen, dass wir sicher und zufrieden leben können. Es zeigt auch: Es finden sich viele helfende Hände. Und: Jeder ist willkommen. Gemeinsam mit dem Projekt Ankommen e.V. entsteht so eine wichtiger dokumentarischer Beitrag.

Wer die Projekte durch ehrenamtliche Mitarbeit unterstützen möchte, findet hier mehr Informationen:
the-homestories.eu
projekt-ankommen.de

Eine Million Geheimnisse

Eine Million Geheimnisse

Frank Warren sammelt Geheimnisse. Am Anfang war es nur eine verrückte Kunst-Idee. Er verteilte 3.000 an sich selbst adressierte Postkarten auf der Straße mit der Anweisung, ein Geheimnis an ihn zu schicken. Anonym, ohne weitere Angaben. Die Aktion verbreitet sich rasant, er bekam schon bald Zusendungen aus der ganzen Welt. Mittlerweile hat er ein Postfach eingerichtet, auf seinem Blog PostSecret.com teilt er sonntäglich eine Auswahl mit dem Rest der Welt. “Geheimnisse können viele Formen annehmen – sie können schockierend sein, albern oder gefühlvoll”, sagt Warren. Wir können uns über die Offenheit der anderen miteinander verbinden, mit Freunden und mit Fremden. Wir können auflachen oder nachdenken. Es war nur eine kleine Idee, mit der er startete. Die Fülle an Reaktionen zeigt jedoch, wie viele Leben schon durch eine kleine Idee positiv beeinflusst werden können.

Gründer Frank Warren hat seine Idee in einer kurzen Präsentation zusammengefasst (auf Englisch):
https://www.ted.com/talks/frank_warren_half_a_million_secrets#t-107893

Gute-Laune-Songs nach Maß

Gute-Laune-Songs nach Maß

Musik ist die Sprache der Gefühle – das ist nicht nur ein Sprichwort, sondern auch ein Ansatz, der in der Forschung genau untersucht wird. An der Universität Groningen in den Niederlanden hat sich der Neurowissenschaftler Dr. Jacob Jolij auf die Suche nach Kriterien begeben, die für ein positives Gefühl sorgen. Sein Ergebnis: Stimmungshebende Lieder haben ein höheres Tempo und sind in der Regel in einer Dur-Tonart geschrieben. Plus: In den Texten wurde über positive Erlebnisse berichtet - sofern sie überhaupt einen Sinn ergaben. Wenn die Songs dann auch noch aus 3 oder 4 Akkordfolgen bestehen mit nur wenigen neuen Tönen, dann sind sie laut dem deutschen Musikwissenschaftlicher Volker Kramarz bestens dafür geeignet, in unserem Gehirn ein Wohlbefinden auszulösen. Der Effekt: Wir wollen immer mehr davon – und der Song wird zum Hit.

Die wissenschaftlich bewiesene Gute-Laune-Playlist von Dr. Jacib Jolij finden Sie hier:
https://open.spotify.com/user/microbelover/playlist/3ZDXHzb4OhBCfLFZbcRh8x