Ausgabe Herbst 2016 "Schmerz lass nach"

Fit durchs Leben

Bewegen verhindert Beschwerden

„Wir erwarten zu viel, wenn wir davon ausgehen, dass unser Körper allzeit bereit und schmerzfrei sein muss“, sagt Kirsten Grünewald. „Der Körper ist nicht dafür geschaffen hundert zu werden. Dennoch werden Menschen oft sehr alt und müssen mit Beschwerden leben.“

Fit durchs Leben: Bewegen verhindert Beschwerden

Die Leiterin der Physiotherapie am St. Marien-Hospital ist überzeugt, dass es in der heutigen Zeit darauf ankommt, mit seinem Körper zu leben. Jeder hat eine eigene Verantwortung für sein Wohlbefinden. Es gilt, das Beste aus seinen Möglichkeiten zu machen, und dafür ist Bewegung unverzichtbar. Zwar gebe es akute Beschwerden, die die Mobilität einschränken oder begrenzen. Dennoch sollte Schmerz nicht an einer aktiven Lebensweise hindern. Im Gegenteil, bei vielen Krankheitsbildern sei Bewegung eine gute Empfehlung.

„Ein Patient mit schwerem Parkinson kann keinen Marathon laufen, aber er kann vielleicht jeden Tag spazieren gehen“, erklärt die Therapeutin. „Ohne Bewegung wird sein Zustand nicht besser, sondern schlechter. Bewegung ist Leben und ich glaube, Bewegung ist auch eine Voraussetzung für ein gutes Leben. Man muss Schwachstellen bei sich akzeptieren und einen Weg finden, damit zurechtzukommen. Das bedeutet nicht, die Zähne zusammenzubeißen und den Schmerz auszuhalten, sondern eher, nie aufzugeben, individuelle Alternativen zu suchen und sich dabei nicht den Spaß verderben zu lassen.“

Schmerz hat oft viel mit Angst zu tun. Viele Menschen versuchen, sich zu schonen, um Schmerzen zu vermeiden. Manchmal hat Kirsten Grünewald den Eindruck, dass allein das Gespräch mit dem Patienten schon eine große Hilfe ist. „Da kommt jemand mit seinem Schmerz, kann sich mitteilen und erhält eine Erklärung. Es erleichtert und macht es erträglicher, wenn man sich ernst genommen fühlt“, sagt sie. „Das gilt insbesondere gerade für die Patienten, bei denen man den Eindruck hat, dass sie sehr schmerzempfindlich sind. Selbst wenn ich für mich denke, mit dem Schmerz könnte ich es noch aushalten: Der Patient kann es nicht. Er leidet und hat eine große Not.“

Tun, was möglich ist

Fit durchs Leben: Bewegen verhindert Beschwerden

Oft fokussieren Menschen ihre ganze Aufmerksamkeit auf den Schmerz und können ihre Gedanken schließlich gar nicht mehr davon abwenden. Sie vermeiden alles, was ihre Situation verschlimmern könnte und vergessen dabei ihren übrigen Körper. Doch auch der benötigt Bewegung, um in Schwung zu bleiben. „Ich habe nur diesen einen Körper und den muss ich versuchen, mit meinen Möglichkeiten bis ins Alter fit zu halten“, unterstreicht die Physiotherapeutin. „Auch wenn ich ein Körperteil habe, das schmerzt, darf ich den Rest nicht vernachlässigen.“

Medikamente sind oft eine hilfreiche Unterstützung, um die Menschen wieder in Bewegung zu bringen. Nicht nur nach einer Operation benötigen die Patienten eine gewisse Schmerzmedikation, um möglichst früh wieder mobil werden zu können. Auch der chronische Schmerzpatient wird erst einmal entlastet, damit er Übungen überhaupt zulassen kann. Schwierig wird es, wenn Patienten Medikamente ablehnen, die ihnen helfen können. „Ich sehe da immer erst einmal die positive Wirkung für die Physiotherapie“, betont Kirsten Grünewald. „Wenn der Schmerz erst einmal unterbrochen ist und der Patient gute Nächte hat, in denen er schmerzfrei durchschlafen kann, dann geht es ihm oft am nächsten Tag schon besser. Einfach mal den eigenen Körper wieder schmerzfrei oder schmerzreduziert erleben zu können, ist eine ganz wichtige Erfahrung für die Betroffenen.“

Ins St. Marien-Hospital kommen viele Patienten, die für ein paar Tage stationär aufgenommen werden, weil die ambulante Therapie nicht ausreicht. Sie erhalten täglich ganz konzentriert physiotherapeutische Behandlungen. Das Spektrum reicht von Fango-Massage über Infusionen bis hin zur Wirbelsäulengymnastik. Dabei wird jeweils individuell untersucht, welche Maßnahmen im Einzelfall am besten greifen. „Wir können nicht immer eine Schmerzfreiheit erreichen“, sagt die Leiterin der Physiotherapie. „Das funktioniert bei akuten Erkrankungen wie einer Blinddarmentzündung. Aber auch wenn ein Patient ganz viele Baustellen hat, ist unser Ziel eine Schmerzlinderung, mit der er gut leben kann. Wenn er weiß, wie er am besten mit den verbleibenden Schmerzen umgehen kann, ist schon viel gewonnen.“

Kontakt

St. Marien-Hospital Hamm
Physiotherapie
Tel. (0 23 81) 18-1735
kirsten.gruenewald@marienhospital-hamm.de