Ausgabe Herbst 2016 "Schmerz lass nach"

Endometriose

Das Chamäleon unter den Frauenkrankheiten

„Bei einer Endometriose gerät Schleimhautgewebe aus der Gebärmutter an Stellen in der Bauchhöhle, wo es nicht hingehört", erklärt Chefarzt Privatdozent Dr. Georg Kunz vom St.-Johannes-Hospital. Er spricht von einem Chamäleon, weil die Ausprägung der Endometriose keine Schlüsse über die mögliche Ausprägung von Beschwerden erlaubt.

Endometriose: Das Chamäleon unter den Frauenkrankheiten

Obwohl die Erkrankung zu den häufigsten gutartigen Frauenleiden gehört, kann es deshalb lange dauern, bis die Diagnose gestellt wird. Falls sie überhaupt gestellt wird. „Untersuchungs- und Behandlungsbedarf entsteht nur, wenn zyklusabhängige Unterleibsschmerzen auftreten oder ein Kinderwunsch unerfüllt bleibt“, erklärt der Leiter des Anfang des Jahres zertifizierten Endometriosezentrums, Oberarzt Maciej Mierzwinski. „Für eine eindeutige Beurteilung ist eine Bauchspiegelung erforderlich, ein Eingriff, der nur gerechtfertigt ist, wenn therapeutische Konsequenzen zu erwarten sind.“

Variabel wie ein Würfelspiel

Wie geraten Schleimhautzellen aus der Gebärmutter in die Bauchhöhle? „Es ist nicht ungewöhnlich, dass Menstrualblut im Zuge der Regelblutung über die Eileiter in den Bauchraum gespült wird“, erklärt Dr. Kunz. „Dabei werden auch abgeschilferte Zellen der Schleimhaut wie von einer Dusche in den Bauchraum verbreitet. Normalerweise werden sie abgebaut und verschwinden wieder. Aber bei 15 Prozent der Frauen zwischen 15 und 50 Jahren gelingt es ihnen, sich an den unterschiedlichsten Stellen anzusiedeln und sich zu vermehren. Bis heute kann niemand vorhersagen, was das im Einzelfall für Folgen hat. Ein Teil der Frauen leidet unter regelbegleitenden Schmerzen, manche können nicht schwanger werden.“

Endometrium ist die medizinische Bezeichnung für die Schleimhaut der Gebärmutter. Daraus erklärt sich der Name der Erkrankung. Bei einer Endometriose sammeln sich die versprengten Endometriumzellen bevorzugt an den Stellen im Bauchraum, die am tiefsten liegen. „Dort gibt es Bauchfellfalten, in denen sich das Menstrualblut sammelt“, erläutert der Chefarzt. „Typische Ansiedlungsorte liegen zum Beispiel zwischen Gebärmutter und Blase, hinter der Gebärmutter oder hinter den Eierstöcken. Hier kann es unter Umständen zu Verwachsungen der umliegenden Gewebe kommen, so dass die Beckenbodendynamik gestört wird. Die Folge können Schmerzen bei der Menstruation und beim Geschlechtsverkehr oder auch Unfruchtbarkeit sein.“

Oberarzt Mierzwinski bietet im Rahmen des Endometriosezentrums regelmäßig Sprechstunden für Frauen mit Unterleibsproblemen oder unerfülltem Kinderwunsch an. Im Zentrum kümmert sich ein Team qualifiziert fort- und weitergebildeter Spezialisten um mehr als 500 Patientinnen pro Jahr. In enger Kooperation mit den niedergelassenen Ärzten werden die behandelten Frauen nach drei und sechs Monaten zu Verlaufskontrollen gebeten. Auf diese Weise kann der Erfolg der Therapie kontrolliert werden. Außerdem werden mit dem Einverständnis der Patientinnen Daten für ein Register erfasst, in das Erfahrungen einfließen, um die Behandlungsstandards weiter zu verbessern.

Kontakt

St.-Johannes-Hospital
Klinik für Gynäkologie u. Geburtshilfe

Tel. (0231) 1843 - 35611,  
gynaekologie@joho-dortmund.de